Portugiesische Zeit

Rein theoretisch ist die Zeit ja immer gleich. Theorie und Praxis klaffen hier aber weit auseinander. 

Wir sitzen heute morgen im Cockpit bei unserem Kaffee und überlegen uns den Plan für den Tag. Wir wollen ja so schnell wie möglich wieder ins Wasser. Es ist ja schön hier, aber auf dem Trockenen fühlen wir uns einfach falsch. Außerdem ist es arg unbequem, keinen eigenen Wasserauslass mehr zu haben. Nun, der Plan für den Tag sieht vor, die neue Aufnahme der Pinne zu streichen, den Echolotgeber und den Auspuff neu einzudichten sowie die Bilgenpumpe umzubauen. Diese soll nicht mehr in unser Cockpit entwässern, sondern sinnvoller Weise direkt nach außenbords. Aber es kommt ja immer anders, als man denkt. 

Gestern kam unser portugiesischer Schweißer, der kaum Englisch spricht, um die Aufnahme der Pinne zu ändern. Die alte Aufnahme hätte es sicher noch eine Weile gemacht, aber sie war doch schon schwer angerostet. Jetzt ist ein ziemlich massives Edelstahlrohr angeschweißt, das macht ein gutes Gewissen. Zuerst wollen wir zum hiesigen Sopromar, um eine Bestellung von gestern abzuholen und eben noch ein Stück Abgasschlauch zu kaufen. Die Verkäufer kennen uns nun inzwischen schon. Für unseren Freund Andreas haben wir gestern auch schon gefragt, ob sein Auftrag schon ausgeführt wurde. Den Auftrag kennt da aber keiner. So rede ich mit dem einen Verkäufer über den Auftrag an der Whippersnapper, während Alex versucht das Stück Schlauch zu erwerben. Das mutiert aber sehr schnell. Wir durchforsten gemeinsam den Katalog, um das gewünschte Teil zu finden. Eine knappe Stunde später gehen wir wieder und bestellen den gewünschten Schlauch letztendlich im Internet, da er dort anstatt 115 Euro nur 65 Euro kostet. Das bedeutet aber auch, dass wir wahrscheinlich doch nicht mehr in dieser Woche wieder ins Wasser gekrant werden können, da Karfreitag hier gar nichts mehr geht. Und am Samstag gleich auch nicht. Kein Paket wird uns so schnell erreichen. Leider. Daher eine schwierige Entscheidung, aber wir sagen uns: lieber jetzt richtig. Während der Bestellung im Internet kommt unser holländischer Nachbar vorbei. Der fragt dieses und jenes und beschäftigt Alex eine Weile. Auf meinem Weg zur Toilette komme ich mit den Besitzern der „Lucky Linda“ ins Gespräch. Ein kleines 25 Fuß Holzboot, dass der Besitzer komplett selbst gebaut hat und damit schon über den Atlantik gesegelt ist. Sein Kumpel sieht dazu aus, wie Hulk Hogan persönlich. Als wir endlich anfangen an unserem Boot zu arbeiten ist es schon 14 Uhr. Unseren Plan von heute morgen können wir nicht mehr schaffen. Aber wir können anfangen. Also schmiergeln wir an der Luke weiter, putzen an der Bilgenpumpe und zwischendurch kommen immer wieder Leute vorbei, mit denen wir ein kurzes Schwätzchen halten. Immerhin aber können wir unser Reffsystem am Großsegel optimieren und an zumindest einen Punkt auf unserer Liste einen Haken setzen. 

Wir nehmen es gerade einfach, wie es kommt. Wir wollen gerne schnellstmöglich wieder ins Wasser, aber wir wollen ja auch unseren Job hier so gut und ordentlich wie möglich machen. Und solange Alex (der Perfektionist unter uns) mit einer Lösung zufrieden ist, kann ich mir sicher sein, dass es nicht besser hätte gemacht werden können. 

Pinnenaufnahme alt

Pinnenaufnahme neu

Pinnenaufnahme und unser portugiesischer Schweißer

Kategorien:Portugal, Umbau

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