Probefahrt

Samstag ist es endlich soweit.
Leicht bewölkter Himmel, eine gute Brise und nach den letzten Handgriffen werfen wir die Leinen los. Alex steht am Steuer, während unser Freund Nichos und ich die Fender aufräumen. Wir sind alle aufgeregt. Nach so langer Zeit des Schraubens und reparierens, kommen wir aus dem Hafen heraus. Die Maschine läuft ruhig und beständig. Der Taucher scheint mit dem Unterwasserschiff einen guten Job gemacht zu haben, denn wir kommen schnell auf 4 Knoten Fahrt. Die Steuerung funktioniert. Der Wind frischt weiter auf, also sind wir motiviert und wollen die Segel setzen. Das Großsegel lässt sich leider nur mit schier roher Gewalt aus der Rollanlage bringen. Alex ist heldenhaft und kurbelt das Segel zwei Mal raus und wieder rein, in der Hoffnung, dass es sich „einläuft“. Tut es aber nicht wirklich, daher lassen wir das Segel leicht gerefft draußen und machen uns an die Genua. Auch hier ist ein unmäßiger Kraftaufwand erforderlich, um das Segel zu bewegen. Die Laune sinkt also schnell, vor allem bei Alex, der es sich nicht nehmen lässt an den schwergängingen Schoten zu ziehen. Nach einer halben Stunde hat er es satt, lässt die Segel draußen und wir segeln in Richtung unseres Tagesziels, Ägina. Eine kleine Insel ca. 20 Meilen von Mikrolimano entfernt.
Es weht mit ca. 6 Bft von hinten und wir machen berauschende 7 Knoten Fahrt durchs Wasser. Da die Bucht recht eingeschlossen ist vom Land kann auch der starke Wind keine Welle aufbauen und so rauschen wir nur so dahin. Schnell geht Alex unter Deck und prüft die Seeventile. Alle dicht, es kommt kein Wasser rein. Na, das ist doch gut.
Nun testen wir den Autopiloten. Das Display zeigt zwar etwas an, aber das war es auch schon. Sonst tut er nämlich nichts. Hmpfr, nicht ganz so doll, aber das war schon fast zu erwarten. Das heisst die ganze Zeit steuern. Wir sausen an Ägina Stadt vorbei und während langsam die Sonne herauskommt, nimmt der Wind etwas ab. Um halb sieben abends finden wir eine wunderschöne, kleine Ankerbucht und ankern dort völlig alleine in glasklarem Wasser. Der Anker hält beim zweiten Versuch auf Sand und wir sind zufrieden. Nun haben wir uns alle ein Ankerbier verdient und da wir so viel zu gucken hatten, haben wir das essen den Tag über schlicht vergessen. Das holen wir nun nach und genießen dabei die schöne Aussicht und die Ruhe des Sonnenuntergangs. Oh, was haben wir das vermisst.

Wir sind so müde, dass wir sehr bald ins Bett fallen und wie ein Stein schlafen. Die Nacht bleibt dankbarer Weise ruhig. Am nächsten Tag stehen wir schon um halb Acht auf, der Himmel ist strahlend blau, es weht ein leichtes Lüftchen und wir sind top motiviert. Wir lichten den Anker. Der Plan für den Tag sieht vor, das Problem mit den Segeln zu lösen und nach Möglichkeit die anderen Segel, wie den Gennaker und die Fock herauszuholen und zu testen. So steuere ich auf und ab, bewundere die Schönheit der Natur um mich her, während die Herren das Großsegel rein und rausziehen, sich überlegen wo der Fehler liegt. Nach einiger Zeit sehen sie, dass George das Segel falsch herum aufgerollt hat. Und sowas nennt sich Rigger. Also, Segel raus, runter und wieder rauf. Dann neu aufgerollt. Geht besser, aber noch lange nicht gut. Dann gehen die Rollen im Mast sehr schwer. Dank WD40 geht auch das bald besser, aber wirklich gut wird das ganze trotzdem nicht. Dann sieht Alex, dass dem Kugellager einige Kugeln fehlen. Dadurch verkantet sich das ganze Ding und die Leinen können nicht mehr frei laufen. Um das zu reparieren müssen wir allerdings wieder nach Athen zurück. Schöner Mist. Dafür kriegen wir die Genua schnell wieder hin. Auch der Gennaker funktioniert nach ersten Startschwierigkeiten hervorragend. Leider sind wir nun zu dem Schluss gekommenn, dass wir zurück müssen nach Athen. Auch wenn das das letzte ist, was wir wollen. Es kann nicht sein, dass nur Alex unter schwersten Anstrengungen das Segel setzen und bergen kann. Sehr deprimierend. Aber der Rest des Bootes funktioniert hervorragend. Die Bewegungen des Bootes sind behäbig und angenehm. Langsam segeln wir nun zurück nach Mikrolimano.

Abends kommen wir an, und auch das Anlegemanöver mit unfassbar vielen Zuschauern kriegen wir gut hin. Was ein Unterschied zu unserer Faith. Rückwärts fahren, tatsächlich in die Richtung in die man will.

Am Montag gehen wir direkt zum Ship Chandler, fragen nach Ersatz. Die sagen, ja, bau mal aus, wir gucken dann was wir tun können, neu ist sakrisch teuer. Na, toll. Mal eben ausbauen. Das weckt keine guten Hoffnungen. Wir lassen die Mittagshitze vergehen und machen uns daran, das Dingen „mal eben“ auszubauen. Muss ich wirklich mehr sagen? Zwei Stunden später haben wir das Dingen dann ausgebaut, nachdem wir das ganze Segel wieder abgebaut und verstaut haben. Eine Mutter war hinten im Eck nur um drei Ecken zu erreichen, also quasi gar nicht. Was ein Mist, aber irgendwie mit viel Hängen, Würgen, Fummeln und Fluchen kriegt Alex die Mutter abgeschraubt. Was wir dann sehen ist allerdings nicht sonderlich erbaulich. Selber reparieren ist schon mal nicht, weil uns dazu Werkzeug in der richtigen Größe fehlt. Es mag ja seltsam erscheinen, aber auch uns fehlt das eine oder andere Werkzeug. Also werden wir es morgen zu den netten Kollegen bringen.
Dann noch eben den Baumrutscher runtermachen, um ihn zu putzen. Merkt ihr was? Mal eben. Grober Fehler. Kaum habe ich den Stopper abgeschraubt, höre ich schon die kleinen Kugeln des Lagers über das Deck holpern. Oh Shit. Letzten Endes fehlen vier Kugeln. Dreck. Dann brechen noch zwei Schrauben ab. Damit beschließen wir den Tag. Abendessen und entspannen. Wir wollen bald wieder los und hoffen, dass die Kollegen von Facnor das Ding reparieren können. Denn wir sind es Leid, hier herum zu hängen. Wir wollen wieder los, die Inseln erkunden und die Schönheit Griechenlands sehen.

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Kategorien:Griechenland, Umbau

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