Seekrank in der Marina

Von einem heftigen Ruck durchs Boot werde ich heute Nacht wach. Es regnet aus Kübeln und ich fühle, wie sich das Boot in den Wellen hin und her bewegen will. Wellen? Wir sind doch sicher vertäut in der Marina… 

Seit Tagen bewegt sich ein großes Tiefdruckgebiet am Rande Portugals entlang und bringt uns immer wieder heftige Regenfälle und draußen an der Küste eine steile und unruhige See. Bislang war die größte Auswirkung des Wetters, dass wir ab und zu das Beiboot leer schöpfen müssen und uns eben gemütliche Tage unter Deck machen. Wir backen Brot und Kuchen, probieren neue Rezepte aus, lesen viel und hören Hörbuch. Unser neuer namenloser deutscher Freund kommt am Tag mindestens einmal vorbei mit Fragen zum Internet, den Geräten die er an Bord hat (von denen nur ein kleiner Prozentsatz funktioniert) und mit sonstigem Allerlei. Befinden wir uns einmal in seinen Fängen des Redeschwalls kommen wir auch so bald nicht wieder los. Aber er ist trotzdem sehr nett. 

Den ganzen gestrigen Tag herrschte starker Wind und eine gewisse Unruhe in der Marina. Nichts dramatisches, wir merken nur, dass wir eben auf einem Boot leben, das sich bewegt. Plötzlich höre ich eine besonders starke Böe über das Deck fegen. Ich gucke auf den Windmesser: 43 Knoten Wind. Konstant. Das ist Windstärke 8 hier in der Marina. Wir staunen nicht schlecht. Für eine halbe Stunde hält die Windstärke an. Gegen Abend nimmt der Wind ab, aber das minimale Geschaukel des Bootes bleibt als wir ins Bett gehen. Dann, in der Nacht müssen die Wellen es geschafft haben, durch den Wellenbrecher sowie den Fluss hinauf und um die Ecke der Marina zu gelangen. Um 5.15 Uhr werden Alex und ich davon wach, dass unser Boot sowie alle anderen Boote in der Marina, wild schaukelt und an den Leinen zerrt. Wir schaukeln so arg, dass sogar eine Flasche Öl aus dem Regal fällt. Wir stehen auf, retten die heruntergefallene Flasche und schauen aus dem Fenster. Die Bewegung des Bootes ist beeindruckend. Die Masten der anderen Boote um uns herum schwanken so sehr wie wir. Fast werden wir seekrank, mitten in der Marina. Wir kontrollieren die Leinen, sie sind gut und sicher. Wir können nichts tun. Also legen wir uns einfach wieder hin und versuchen wieder zu schlafen. Schier unmöglich, da die Leinen quietschen und das Boot immer wieder einruckt. Wir wälzen uns hin und her, hören dem Boot und dem Regen zu. Irgendwann beruhigt sich das Wasser und wir schlafen wieder ein. 

Wellen – die Surfer freuen sich

Praia da Rocha im Winter

Kategorien:Portugal

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