Sines

Nachdem wir von der verspäteten Geburtstagsparty bei Michaels Verwandten zurück sind, verbringen wir noch einen Tag in Setúbal, lesen, gehen schwimmen und nochmal einkaufen. Die Strömung in dem Fluss in dem wir ankern ist kurz vor Hochwasser am stärksten, mit ungefähr 3 Knoten, wenn nicht sogar mehr. Da es zudem noch anfängt zu winden, beschließen wir erst später einkaufen zu gehen und beim Boot zu bleiben, nur für den Fall das der Anker nicht halten sollte.
Ich verbringe den halben Nachmittag im Cockpit, immer ein Auge auf das Land, damit ich im Falle eines Falles sofort reagieren kann. Als aber nach drei Stunden immernoch alles gut und sicher ist, gehe ich zum lesen unter Deck. Eine Stunde später hören wir gehupe und Geräusche, die wir nicht sofort zuordnen können. Wir gucken aus dem Fenster und sehen uns umringt von ca. 50 bis 70 anderen Booten. Fischerboote, Yetskies, Segelschiffe. Alle voll besetzt und geschmückt. Offenbar sind wir unbeabsichtigt in eine weitere Segnung der Fischer und Seefahrer geraten. Die Boote halten so gut wie keinen Abstand ein. Eins der Fischerboote liegt direkt vor unserem Bug. Da wo Wind und Strömung herkommen. Als ich nach vorne gehen will, um mir den Abstand genauer anzusehen, höre ich ein knaufeln. Das Fischerboot wurde dank Wind und Strömung gegen unseren Bug gedrückt. Der Steuermann setzt rückwärts, ist aber zu langsam. Eine Welle hebt unseren Bug und senkt seinen unter unsere Reling. Als unser Bug sich wieder senkt, kommt seine Reling unter unsere und verbiegt diese nach oben. Die gute stabile V4A Reling hat nun einen unschönen Winkel in Richtung Himmel.
Der Fischer fährt weiter rückwärts und muss mit der Meute der anderen wegfahren, um nicht noch mehr Schaden anzurichten. Wir knipsen schnell ein Foto von dem Boot, das dusselig genug war sich gegen die Strömung und den Wind vor uns als Ankerlieger zu legen. Wir sind natürlich schwer unzufrieden und hoffen, dass der betreffende wiederkommt oder uns über Funk anruft. Aber nichts passiert.
So gehen wir abends zur Polizei und hoffen, den Besitzer erreichen zu können, aber der wird aufgrund des Festivals wohl nicht mehr ganz nüchtern sein.

Am Dienstag beschließen wir, wir haben genug von Setubal und fahren nach Sines (sprich: Siinsch) weiter. Die Überfahrt erweist sich als gemütlich und wir können sogar die Hälfte des Weges segeln. Schöne 4 Windstärken und kaum Welle. So wünschen wir uns das.
Der Ankerplatz in Sines ist super gelegen, direkt vor dem Strand und gut geschützt. Die Sturmschnitzels sind auch aus Lissabon ausgelaufen und kommen abends recht müde an. Wir zeigen ihnen noch einen freien Ankerplatz und sie fallen bald darauf in die Koje. Die Pintails sind auf dem Weg und kommen am Donnerstag in Sines an. Dies wird dann wohl unser letztes gemeinsames Treffen, bevor die Schnitzels nach Madeira abbiegen und wir in einem großen Schlag nach Portimao fahren werden. Die gesamte Algarve hat nicht einen Hafen in einer Entfernung von 70 Seemeilen. Wir studieren also mal wieder den Wetterbericht und entscheiden uns dafür, am Samstag mit den Schnitzels zusammen aufzubrechen. Das wird bedeuten, sehr früh aufzustehen oder erst gar nicht ins Bett zu gehen. Die Fahrt wird wohl ungefähr 18 Stunden dauern und wir wollen auf jeden Fall bei Tageslicht um das südliche Kap von Portugal herum. Dort treffen sich Wind und Welle aus unterschiedlichen Richtungen und wir vermuten, dass es dort ruppig werden kann.
Aber noch genießen wir Sines, ein kleines und gemütliches Örtchen, und freuen uns auf das Wiedersehen mit den Pintails.

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Ankerplatz in Sines

Kategorien:Portugal

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