spanisches Festland

Nach den letzten Beiträgen, die ich geschrieben habe, hat sich Murphy wohl besonders auf den Schlips getreten gefühlt, also habe ich erstmal ein wenig Pause eingelegt.

Wir bleiben ein paar Tage in Formentera an der Boje, bei glasklarem Wasser in einer sehr gut geschützten Bucht sind wir super zufrieden. Wir schnorcheln durch das warme Wasser und erkunden ein wenig die schöne Insel. Aber bald soll es weiter gehen, wir wollen ans spanische Festland. Torrevieja ist das Ziel. Wir fahren los, morgens früh und haben bald den Wind auf der Nase, was auch sonst? Wir beschließen Süd zu laufen, kommen dem Ziel aber keine Meile näher. Als es gegen späten Nachmittag anfängt stark aufzubriesen, türmen sich auch bald die Wellen auf. Wir stampfen ein und nach einer kurzen aber intensiven Diskussion drehen wir um, wieder zurück nach Formentera. Dort bleiben wir noch zwei weitere Nächte und versuchen unser Glück nochmals. Dieses Mal auf dem kürzesten Weg ans Festland. Auf der Hälfte des Weges sehen wir vor uns viele Fischerboote auf einem Haufen. Die bewegen sich aber nicht. Was ist da los? Wir wissen es nicht. Dazu fährt noch ein spanisches Kriegsmarineboot um die Fischer herum. Wir hören über Funk einige Gespräche auf spanisch, verstehen aber immernoch nicht, was da eigentlich los ist. Wir fahren großzügig an allen vorbei, können uns aber einfach nicht erklären, warum hier 8 Boote auf einem Haufen liegen.

Nach 60 Meilen und ein paar Regenschauern erreichen wir abends die Marina Greenwich. Gelegen auf W 000°00.00′. Eine kleine, ziemlich volle Marina, in der wir gefühlt den letzten freien Platz bekommen. Alex muss um ein paar ziemlich enge Kurven zirkeln, schafft es aber hervorragend und endlich liegen wir sicher und geschützt. Bevor wir losgefahren sind, habe ich in der Marina angerufen und nach dem Preis für die Nacht gefragt. Um die 55 Euro war die Antwort, ziemlich teuer, aber für eine Nacht machbar. Als wir uns anmelden gehen und bezahlen liegt die Wahrheit bei 68 Euro. Da gucken wir nicht schlecht aus der Wäsche. Das ist sogar teurer als die Südküste Englands. So schön ist es dann auch wieder nicht und wir wollen sobald als möglich weiter.

Von nun an, können wir unsere Schläge kürzer planen, die Küste ist voll von Marinas. Leider gibt es nur wenige Ankerplätze. Unser nächstes Ziel bleibt Torrevieja, das wir zwei Tage später auch erreichen. Es geht morgens im Dunkeln los. Wir motorsegeln in ruhiger See vor uns hin. Als wir mittags bei Alicante sind ist es ruhig und wir beschließen direkt weiter nach Torrevieja zu segeln. Kaum aber sind wir an Alicante und den gigantischen Hochhäusern, die die schöne Landschaft verschandeln vorbei, frischt der Wind weiter auf. Die Vorhersage hat was von maximal 4 bis 5 Beaufort erzählt und es sind ja ’nur‘ noch 15 Meilen. Tja, wie immer kommt der Wind aus der Richtung, in die wir wollen. Wir beginnen zu kreuzen. Bald pfeift der Wind in den Wanten, die Wellen, gegen die wir anfahren sind kurz und steil. Für die letzten 8 Meilen Luftlinie fahren wir insgesamt eher 20 Meilen. Wir kommen erschöpft und müde um 20 Uhr in Torrevieja an. Schnell noch tanken und nach dem Marinero fragen, der uns einen Platz für die Nacht geben soll. Der gute Mann kommt bald, scheint aber nicht so viel Ahnung zu haben. Er erzählt uns, dass das Büro schon geschlossen hat und er nicht weiß, ob überhaupt ein Platz frei wäre in der Marina. Die ist allerdings sehr groß und wir sehen sehr viele freie Plätze. Er fährt nochmals kurz weg und nach ein paar Minuten bekommen wir die Aussage, dass er keine Ahnung habe, wir doch bitte in die andere Marina gehen sollen oder uns vor Anker legen mögen. Wie bitte? Das hat uns auch noch keiner gesagt. Wir fahren eine Ehrenrunde durch die Marina, sprechen kurz mit ein paar Deutschen, die schon dort liegen und die auch völlig verwirrt sagen, es gäbe genug freie Plätze. Letztendlich legen wir uns in dem Hafenbecken vor Anker und nach einem Ankerbier fallen wir müde ins Bett. Nach einer ruhigen Nacht funken wir das Marinabüro an, dass uns sofort einen freien Platz zuweist. Direkt neben den Deutschen, mit denen wir am Abend vorher gesprochen haben. Unser erstes Anlegemanöver mit Frontmoorings läuft Bilderbuchmäßig. Bei der Anmeldung erwähnen wir, was der gute Marinero der letzten Nacht uns erzählt hat und der Dame im Büro fällt die Kinnlade ziemlich weit runter. Der arme Kerl wird wohl bald sein Fett weg kriegen. Hier liegen wir nun geschützt wie in Abrahams Schoß und wir gehen einkaufen. Unsere Bestände haben wir ziemlich weit aufgegessen. Torrevieja ist ein besonders schmuckes Städtchen, aber wir bekommen alles, was wir brauchen. Bald schon geht es weiter.

Wieder einmal stehen wir viel zu früh auf, und legen ab. Um die nächste Ecke, um das nächste kleine Kap und wir halten auf Cartagena zu. Die Hälfte des Weges haben wir Halbwind und kommen gut vorwärts. Kaum haben wir das Kap passiert, na, was denkt ihr? Wind auf der Nase. Allerdings ist die Landschaft hier traumhaft schön. Wir zirkeln um die vielen Fischfarmen herum, die es hier gibt. Die Wellen sind hoch, aber lang, so dass wir sie gut aussteuern können. Die Bucht, in der Cartagena liegt, ist U-förmig. Die Wellen werden also hin und her geschleudert, wir dazu. Wir legen an, liegen direkt an der Stadtmole. Jeder kann in unser Cockpit gucken. Aber die Stadt ist sehr pittoresk, voll mit alten Ausgrabungen aus der römischen Zeit. Wir finden einen Mercadona, der direkt ans Boot liefert. Also kaufen wir alles, was schwer zu transportieren ist. Wasser, Saft, Bier, Klopapier und Kekse. Sehr gesunder Einkauf… Aber es wird prompt geliefert und wir sind happy. Leider weht es gerade aus Gibraltar heraus und das nicht wenig. So hoffen wir auf den Winddreher, der bald kommen soll. Bis dahin erkunden wir die Stadt und unterhalten uns mit einem Singlehanded Segler, der aus Rotterdam kommt. Er will nach Ibiza, für ihn ist der Wind super. Der will ja auch in die andere Richtung als wir.

Kategorien:Spanien

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