Tag 2

Nach den heutigen gefahrenen 59km haben wir nun insgesamt 110km zurückgelegt.

Heute war alles dabei, 2 Wellen die in unser Heck eingestiegen sind, ein Telefoninterview mit Antenne 1 für Ursula, unsere erste Grundberührung und vor allem viel Regen – aber eines nach dem anderen.

Nachdem wir die Nacht an der Spundwand der Schleuse Lauffen verbracht haben, sind wir heute morgen gegen 7.30h aufgestanden um gegen 9h abzulegen. Mitten in den Vorbereitungen zum Ablegen hat ein aus der Schleuse auslaufender Frachter den Hebel auf den Tisch gelegt. Soll heißen der ist mit Vollgas aus dem Schleusenbereich rausgefahren.
Dies hatte einen immensen Wellenschlag am Ufer zur Folge. Diesen haben wir an der Spundwand verstärkt abbekommen da dort die anrauschenden Wellen nicht durch Vegetation oder sonstigem „geschluckt“ werden. Sie treffen auf die Spundwand aus Stahl und werden durch deren Geometrie noch verstärkt.
Die Folge davon war ein längerer Ritt auf unserer Faith, die sich wie ein junger Bulle aufgeführt hat. Durch die Höhe und die schnelle Frequenz dieser Wellen passierte es dann auch dass zwei davon teilweise in unser Heck eingestiegen sind.
Glücklicherweise ist weder uns noch unserem Boot etwas passiert und nach ein paar herzhaften Flüchen und Verwünschungen in Richtung Frachter, haben wir abgelegt in Richtung Schleuse Lauffen.

Um kurz vor 11h waren wir an der Schleuse Heilbronn. Dank dem supernetten Schleuser „Ihr wollt ins Mittelmeer? Ich komm mit – ansonsten ist die Schleuse heut geschlossen!!!“ wurden wir in Rekordzeit durchgeschleust. Gerade als Ursula die Halteleine von dem Schleusenpoller genommen hatte erfolgte der Anruf von Antenne 1. Ursula führte das kurzfristig angesetzte Telefoninterview mit den Moderatoren, auf dem Vordeck sitzend, mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Leider regnete es sich zu diesem Zeitpunkt ein, was auch bis zum Abend anhalten sollte. Somit erfolgte ein Großteil des heutigen Weges im Regen aber auch so waren landschaftlich sehr schöne Abschnitte dabei.

Gegen 17h waren wir dann in Zwingenberg. Wir sind zuerst an dem angepeilten Steg vorbei gefahren um uns die Situation anzusehen.
Eine E-Mail Anfrage bezüglich des Tiefgangs wurde beantwortet mit der Aussage „wir hatten mal einen mit 1,60m das hat geklappt. Ein anderer mit 1,90m hat nicht anlegen können“.
Das ist schon mal ne Info. Wir haben 1,70m Tiefgang. Was nun?!
Der in der Email alternativ angebotene Fährsteg am gegenüber liegenden Ufer fiel aus, da Typ “ Spundwand“ und genau in der Biegung gelegen. Da hätten wir den Wellenschlag von jedem Berufsschiff  voll abbekommen.
Danke – aber nein danke!!!
Somit war klar wir versuchen unser Glück mit dem Gästesteg.
Wir sind gegen die Strömung langsam rangefahren, den Blick immer auf dem Echolot. In dem Moment als das Echolot auf den Modus ‚unplausibler Wert‘ sprang hörten wir auch schon wie wir den Grund streiften. Wir machten einen kleinen Hüpfer. Ein Blick auf das GPS zeigte unseren Fehler, über 3 Knoten Fahrt. Blöd wenn einer auf die Richtung achtet, der andere das Echolot anstarrt und keiner mehr die Geschwindigkeitsanzeige beachtet.
Aus diesem Fehler schlauer klappte es beim 2 Anlauf perfekt.
Wir liegen nun an dem Gästesteg mit der sprichwörtlichen Handbreit Wasser unterm Kiel.
Wir hoffen diese Handbreit ist groß genug um den Wellenschlag der Berufsschifffahrt abzureiten.
Es wird sich zeigen.

Achja. Auch in dieser Marina ist kein Ansprechpartner aufzufinden. Alles verlassen. Das bedeutet leider wieder keine sanitären Anlagen. Sie sind zwar da aber ohne Code kommt man nicht rein. Dabei hatten wir uns so auf eine heiße Dusche gefreut.
Satz mit X.
Also haben wir uns wieder so gewaschen, geht auch. Heute mit Haare waschen, kopfüber – in einem Eimer.
Ist schon interessant wie weit einen Improvisationstalent  und der pure Wille etwas zu tun bringen können. Für uns funktioniert es bislang recht gut.

Nach einem kleinen Abendessen und einem Spaziergang zur Zwingenberger Burg inklusive einem kleinen Abstecher auf den dortigen Klettersteig sind wir nun wieder auf unserer Faith.
Abspülen und ein wenig aufräumen steht noch an und vermutlich werden wir danach auch schon die nötige Bettschwere haben.
War auch ein ereignisreicher Tag.

Kategorien:Deutschland

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