Testsegeln – ein Tag Freiheit

Wir haben eine schriftliche Erlaubnis, einen Tag segeln zu gehen. Nachdem ich eine lange und sehr freundliche Email geschrieben habe, kommen zwar nur drei Sätze zurück, aber einer davon ist die Erlaubnis, einen Tag raus zu fahren und dann auch wieder rein zu kommen. Yehaa! Wir haben einen Tag Freiheit gewonnen.

Bevor das aber los geht, müssen wir erstmal alles aufräumen und wegräumen. Wie schnell sich doch überall Zeug anhäuft. *seufz*

An dem Tag dem welchen, strahlt die Sonne vom Himmel. Es tut auch tatsächlich so, als ob eine leichte Brise weht und wir segeln können. Vier Wochen hat der Anker uns brav gehalten bei jedem Wind auch bis zu 35 Knoten. Jetzt soll er wieder an Bord. Die Kette, die im Wasser hängt, ist in der Zeit allerdings ziemlich zugewuchert mit Algen und allerlei anderem schleimigen Zeug, dass eher unappetitlich ist. Bevor das in den Ankerkasten kommt, muss die Kette gewaschen werden. Stück für Stück mit dem Schrubber stehe ich also vorne und putze, was das Zeug hält.

Bald bin ich dafür über und über bedeckt mit den Algen. Da kommen uns Jens und Dörte zur Hilfe. Die haben einen schicken Kettenputzer, den man nur in die Kette einhängen braucht. Ein wenig Gefummel später und das putzen geht schneller und besser, wie ich zugeben muss.

Nur eine Stunde später ist dann tatsächlich der Anker oben und wir fahren raus.

Schon seit ein paar Tagen herrscht wieder ordentlich Verkehr hier. Die Ankerbucht füllt sich, mehr und mehr Fischer sind wieder unterwegs, ganz zu schweigen davon, dass sich die Strände schon wieder mit Portugiesen füllen, die der Hitze entkommen wollen. Da schwimmen ja noch offiziell untersagt ist, angeln aber nicht, hat so ziemlich jeder irgendwo eine Angel stehen und ins Wasser hängen. Ob da überhaupt ein Köder oder gar ein Haken dran ist, wage ich eher zu bezweifeln. Aber ein Schelm, wer da Böses denkt. Nun, Abstand halten sie alle zueinander und bei der sommerlichen Hitze die hier ausgebrochen ist, wären die Portugiesen doof, nicht Abkühlung zu suchen.

Als wir durch die Hafeneinfahrt fahren, kommt so richtig Freude auf. Die Sonne strahlt und wir haben unsere Freiheit wieder – naja, so ein bisschen und für einen Tag. Aber wir wollen nicht kleinlich sein.

Bald wollen wir das Grossegel setzen. Das erschreckt sich aber, nachdem es die letzten anderthalb Jahre da war, wo es war. Es wird ein ziemlicher Kampf, das Segel aus seiner Rolle am Mast zu befreien. Kein großes Wunder, denn wir haben in der Zeit den Mast ein paar Mal umgespannt. Letzten Endes muss das ganze Segel runter und wieder rauf. Gut, dass wir Inge und Tommy noch an Bord haben, die können helfen. Auch gut, dass wirklich kein Wind herrscht, sonst wäre das mit dem riesen Lappen an Segel kaum möglich gewesen.

Nach einer weiteren Stunde steht dann auch schon das Groß ordentlich. Die Genua läuft wie geschmiert (danke Markus!) und schon segeln wir mit rasanten 1,8 Knoten durch das Wasser. Zu Fuß gehen ist schneller. Macht aber nichts, wir sind trotzdem höchst zufrieden mit unserem Leben.

Bald ist der Wind aber dann ganz weg. Die Segel holen wir wieder ein und machen halt eine Badepause. Das Wasser ist Azurblau und glasklar. Eine Wonne.

Danach gibt es einen kleinen Snack und wir packen die Segel wieder aus, die nun anstandslos funktionieren. Die Höchstgeschwindigkeit ist am diesem Tag 2,5 Knoten. 5 km/h.

Als wir wieder rein fahren in die Einfahrt sind wir gespannt, ob Policia Maritima zu uns kommt oder sonst jemand etwas von uns will. Aber nein, gar nichts. Naja, wir haben unser AIS auch an und glauben, dass die Erlaubnis irgendwo hinterlegt ist.

Wir hängen uns dieses Mal an die Boje vor Ferragudo und genießen unser „Ankerbier“ mit tiefer Zufriedenheit mit dem Leben und dem Boot.

sie segelt
Das Segel will nicht raus. Sollte mal gebügelt werden

Kategorien:Umbau

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