Tourist im eigenen Land

Lange waren wir nicht im Ländle. Eigentlich nur, um den Geburtstag von Alex Mutter zu feiern. Lange waren wir nicht mehr hier, anderthalb Jahre ist es her. Es ist ein seltsames Gefühl, wieder in die alte Heimat zu kommen, aber sich wie ein Tourist im eigenen Land vor zukommen.

Hier und dort gibt es neue Läden, da wird gebaut und wir bestaunen die Veränderungen, die uns ins Auge fallen.

Es ist schön, die Familie wieder zu sehen. Aber wir haben noch einiges auf unserer Liste für das Boot und das Wetter wird nur wärmer, dann kann man nicht mehr viel machen. Streichen macht so gar keinen Sinn, wenn die Rolle beim streichen an der Bordwand festtrocknet.

Alex fliegt also schon wieder in die Wärme, während ich noch meinen Teil der Familie besuchen fahre.

Das Wetter in Deutschland überzeugt leider nicht übermäßig, es regnet, schüttet und nieselt die ganze Zeit, während wir hier sind. Dafür ist die Menge an Grün um uns herum beeindruckend. Während ich mir also am Stuttgarter Bahnhof den Hintern abfriere während ich auf den Zug warte, sitzt Alex schon im Flieger zurück nach Portugal.

Das war aber auch ein kleiner Staatsakt. Der Flieger soll um halb sieben morgens abheben. Nur Handgepäck heißt trotzdem halb sechs da sein, besser um fünf. Die Bahn braucht eine Stunde, also um vier die Bahn nehmen und um drei aufstehen. Argh.

Ich hab noch anderthalb Stunden mehr Zeit, da mein Zug erst um halb acht geht vom Hauptbahnhof aus. Alex steht pünktlich auf und schiebt los. Eine halbe Stunde später klopft es aufgeregt am Fenster. Der S-Bahn Fahrer hatte wohl nicht die beste Laune Sonntag morgen um vier und hat Alex gar nicht erst reingelassen, mit den Worten: „Du kannst mal schön warten.“ Die Laune steigt gewaltig. Ich hechte aus dem Bett, packe meine sieben Sachen in fünf Minuten und fahre ihn mit Muttis Auto zum Flughafen. Wenigstens ist das Sonntag morgens problemlos. Als ich wieder komme, muss Alex Mutter mich schnell noch zum Bahnhof fahren, damit ich auch weiter komme. Kaum am Hauptbahnhof angekommen, meldet sich die App der Deutschen Bahn. Mein Zug fällt aus, aber es gibt Ersatzverkehr. Und das alles ohne Kaffee.

Aber was solls, flexibel sind wir ja schon geworden. Und wenn man einmal die Sichtweise ändert und sich vorstellt, selber Reisender zu sein, dann wird es wieder spannend. Irgendwie geht es immer weiter und irgendwie kommt man ja immer ans Ziel. Schließlich ist ja die Reise selbst Ziel genug.

Kategorien:Umbau

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