Tropensturm Leslie

Warum eigentlich immer Nachts? Egal, was ist, es ist immer Nachts. Gestern morgen haben wir den Wetterbericht mit wachsendem Unbehagen angesehen. Ein Sturm der zwischen Tropensturm und Hurricane Stufe 1 schwankt, zieht auf die Westküste Portugals zu. Die berechnete Laufbahn sagt, der Sturm soll bei Lissabon auf Land treffen und uns trotzdem einige stürmische Tage und Nächte bescheren.
Ab zehn Uhr merken wir, wie der Wind auffrischt und wir fangen an, uns vorzubereiten. Plane weg, alle Fahnen runter und überhaupt alles, was wegfliegen kann verstauen. Auch bei den Booten unserer Freunde, die derzeit alle unterwegs sind, gucken wir nach dem rechten.
Der Tag wird auch recht entspannt. Einige Böen gehen durch, aber gegen Abend flaut es sogar wieder ab. Derweil sind wir produktiv und kratzen weiter am Unterwasserschiff. Von der wenig ergonmischen Haltung bekommt Alex Nackenschmerzen und mir tun nach zwei Stunden die Handgelenke weh. Über Kopf und in einer eher verkrüppelten Haltung arbeiten fordern ihren Tribut, aber immerhin wir kommen voran. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Gerade als ich das Mittagessen fertig habe, steht dann Moises auf der Matte, der uns beraten soll, was den Geräteträger angeht. Er hat über den letzten Winter seinen gebaut und soll nun hilfreiche Tipps geben. Während also mein Essen kalt wird, ist seine Hauptaussage: „Musste halt einen Geräteträger bauen.“ Und ja, er hat all das Zeug bei Esinox gekauft, dem Edelstahlladen unseres Vertrauens hier um die Ecke. Sehr netter Besuch, aber wenig hilfreich. Naja, Bratkartoffeln schmecken auch kalt noch und nach einer kurzen Pause geht es munter weiter ran an den Feind Unterwasserschiff. Als ich wirklich nicht mehr kann, mache ich mich daran, das Deck zu schleifen, aber dann kann kein Mensch mehr unter Deck sein ohne Gehörschutz. Also lass ich das bald sein und gehe duschen.

Ein gemütlicher Abend folgt, es brist langsam auf, aber alles innerhalb völlig entspannter Grenzen. Dabei haben sie aber auch den größten Spaß ab Mitternacht angekündigt. Genau da werden wir dann müde und machen das Licht aus, während schon einige kleine Schauer niedergehen und die Böen stärker werden. Um drei Uhr wache ich dann wieder auf, nachdem ich nicht wirklich geschlafen habe. Es wackelt an unserem Boot und von jetzt auf gleich gehen Sturzbäche an Regen nieder. Jetzt klappert irgendwas Doing. Doing. Doing. Es hilft nichts, das kann ich nicht wegignorieren und ich stehe auf, ziehe mich an und gehe raus. Oha. Draußen wütet es schon mehr, als man drinnen vermutet hätte. Überall klappern die Schoten an den Masten und einiges ist über die Yard verteilt. Sogar die Möwen sind unruhig. Ich finde den klappernden Übeltäter und gucke mich noch einmal um. Ja, entspannt ist anders. Aber unter Deck ist alles trocken und wir stehen sicher, auch wenn es manchmal ganz schön am Boot zerrt. Ich lege mich wieder hin und versuche zu schlafen. Das ist kaum möglich, denn jede Böe zieht mich wieder an die Oberfläche. Wir haben keinen funktionierenden Windmesser, aber unsere Nachbarn sagen heute morgen irgendwas zwischen 7 und 8 Beaufort. Ja, das kommt hin. Gut, dass heute Sonntag ist, so wird es wirklich ein Ruhetag.

Wir sind neugierig, daher fahren wir an unserem Ruhetag ans Kap San Vincent, um uns die Wellen anzusehen. So wild sind sie nicht, aber es windet schon gewaltig.

Das Unterwasserschiff und der Kiel. Nur langsam kommen wir voran

Das Unterwasserschiff und der Kiel. Nur langsam kommen wir voran

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Wellen

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Wellen

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Man beachte das Haus im Hintergrund als Größenvergleich

Kategorien:Portugal, Umbau

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