Urlaub

„Was haltet ihr eigentlich davon, ein Auto zu mieten und mit uns zusammen das Hinterland anzusehen?“, fragt Stefan am Donnerstag. Die Idee finden wir super. Wir wollen uns eh mehr vom Land ansehen, als nur die Häfen und die Supermärkte in der Umgebung. Zu viert teilen sich die Kosten auch auf, so dass wir letztlich zustimmen. 

Ein Auto ist bald gemietet und Emma findet eine Unterkunft für eine Nacht. So packen wir unsere Sachen zusammen und stehen am Freitag morgen mit den Pintails zusammen an der Rezeption der Marina. Das Auto kommt und da die Engländer das Fahren auf der rechten Seite der Straße nicht gewöhnt sind, werde ich als Fahrer auserkoren. Alex kann schneller und besser Karten lesen. Ich stelle das Auto ein, die Jungs sitzen auf der Rückbank, während Emma neben mir das Navi zum laufen bringt. Zwei nette kleine Dörfer sowie eine kleine Wanderung stehen für heute auf dem Plan. 

Das erste Dorf ist schnell erreicht, während die Herren sich über Campervans, Autos und Motoren unterhalten finden Emma und ich einen Parkplatz. Das Örtchen ist hübsch gelegen an einem kleinen Bach und besticht durch Tourigassen, einer alten Kirche und einem hübschen Castle. Da hier viel Eisen im Boden enthalten sein muss, hat die Mauer des alten Gebäudes eine tolle rote Farbe. Wir wandern durch die Gassen und ich bewundere die Störche, die hier in Scharen brüten. Ich bin hingerissen von den anmutigen großen Tieren, die ich das letzte Mal als kleines Kind echt und in Farbe gesehen habe. Leider finden sich kaum noch Störche in Deutschland. 

Wir fahren weiter in die Berge und kommen zu einem eher winzigen Dorf, das aus einigen Cafés besteht. Die Einheimischen scheinen hier eine Ader für Selbstgetöpfertes zu haben. Wir finden Unmengen an bunten Tassen, Schüsseln und noch mehr Nippes in einem Laden, der von außen aussieht, als könnte nicht eine Maus hineinpassen. Wir bewundern alte Waschhäuser, wo die Damen des Dorfes ihre Wäsche im Fluss gewaschen haben. Heute bei einer Temperatur von 32 Grad im Schatten eignet sich der kleine Bach hervorragend, um die überhitzten Füße zu kühlen. Auf dem Weg zum Auto kommen wir an einem Schild vorbei, dass den besten selbstgemachten Apfelkuchen anpreist. Das klingt so verlockend, dass wir hineingehen und den Kuchen probieren. Er ist in der Tat hervorragend. Als wir wieder im Auto sitzen, ist die Temperatur nochmals um zwei Grad gestiegen, so dass wir die Wanderung zum Gipfel auf den nächsten Tag verschieben. Nach einer kurzen Suche finden wir unsere Unterkunft. Ein Bed & Breakfast mitten im Nirgendwo, neben einem kleinen Bauernhof gelegen. Und das beste: es gibt einen Pool! Schnell ziehen wir unsere Badesachen an und springen ins kühle Nass. Unbeschreiblich toll. Wir planschen und genießen die abendliche Sonne. Wir machen also Urlaub vom ach so anstregenden Seglerleben. Unsere Faith liegt sicher vor Anker, den Wetterbericht haben wir oft genug geprüft. Die Zimmer sind sauber und wir freuen uns über die erste normale Dusche seit ungefähr 4 Wochen. Abends essen wir im Restaurant Hamburg. Der Besitzer hat wohl ein paar Jahre dort gelebt und spricht noch gutes Deutsch. 

Außer uns befinden sich lediglich noch zwei weitere ältere Ehepaare aus Lübeck in dem Hotel. Schnell kommen wir ins Gespräch und freuen uns über den Tipp zum Restaurant Hamburg, dass wirklich gutes und günstiges Essen serviert. 

Diese Nacht schlafen wir zur Abwechslung in Betten, die nicht schaukeln. Wir sind aufgeregt und freuen uns, wie kleine Kinder auf Weihnachten. Leider kann Alex nicht gut schlafen. Er wirft sich oft von der einen Seite auf die andere. Dabei raschelt das Bettzeug so sehr, dass ich jedes Mal aufschrecke, in dem Glauben, eine riesen Welle hätte das Boot getroffen und ich müsste aufstehen und das Boot festhalten. Dann wundere ich mich im Halbschlaf, dass das Bett gar nicht wackelt und erinnere mich, dass dieses Bett gar nicht schaukelt, da es auf festem Boden steht. Am nächsten Morgen gibt es ein herrliches Frühstück, mit frischen Feigen, selbstgemachten Käse aus dem angrenzenden Bauernhof und frischem Orangensaft. Diese Unterkunft können wir aus ganzem Herzen empfehlen!!

Den Beginn des kleinen Wanderpfads zum Monte Rocha ist schnell gefunden. Wir packen Äpfel und Wasser ein und machen uns auf den Weg. Der Weg windet sich entlang einer Bergkuppe und bietet eine tolle Aussicht auf das Tal. Es hat seit Wochen keinen Tropfen geregnet und doch ist alles grün. Es war definitiv die richtige Entscheidung, den Weg am morgen zu gehen, da es so gut wie keinen Schatten gibt und die Sonne schon um elf Uhr morgens auf stattliche 27 Grad geheizt hat. Um ein Uhr kommen wir wieder an unserem Auto an. Nicht ohne den freistehenden Feigenbaum zu plündern. Lecker!

Wir wollen die gut funktionierende Klimaanlage so bald nicht mehr verlassen und fahren daher direkt nach Faro. Ein Städtchen am Meer, umgeben von vorgelagerten Inseln. Hier herrscht eine brütende Hitze. Nach dem leider sehr teuren aber wenig guten Mittagessen sind wir derartig erledigt, dass wir direkt wieder nach Portimao fahren. Dort angekommen, schwingen wir uns direkt wieder in unsere Badesachen und ab ins Wasser. Wir sind froh, wieder beim Boot zu sein. Allerdings war der kleine Urlaub vom Boot an Land wirklich toll. Danke Emma und Stefan für die tolle Idee! 

Kategorien:Portugal

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