Von Faro nach Alcoutim – Rio Guadina die Zweite

Morgens um fünf klingelt der Wecker. Wir wollen um sechs mit dem ersten Licht und bei Stillwasser auslaufen. Dann soll auch direkt Wind kommen. Wir denken, dass wir vermutlich bei Hochwasser in den Guadiana einlaufen können, aber dann wieder hinter der Brücke ankern müssen, bis das Wasser abgelaufen ist und wir mit dem nächsten Hochwasser hochfahren können. Wie so oft planen wir und das Universum lacht.

Naja, sechs Uhr ist der Anker oben, die Maschine spingt nun auch in kaltem Zustand an, als wäre das nie anders gewesen. Als hätte sie nicht noch keine 48 Stunden vorher geklungen, wie ein Sack Nüsse und so gewackelt, dass das ganze Boot mit gewackelt hat. Aber gut, ich will nicht meckern – besser hätte es für uns so nicht laufen können. Danke also dafür.

Es ist im ersten Büchselicht noch kühl bei 16 Grad, sehr viel Luftfeuchtigkeit und doch eher bewölkt. Bah. Gestern war schöner. Wat sollet, wir haben ein Ziel, los geht’s.

Die Ausfahrt ist wunderbar bei Stillwasser zu passieren, nur drei kleine Fischerboote, die mit ihren Netzen direkt in der Einfahrt rum machen, gucken uns groß an. Wir gucken zurück, winken und fahren weiter. Ein wenig Wind ist schon da. Leider genau die Nase. Das war nicht vorher gesagt. Nun, ist eh noch zu wenig Wind zum Segeln. Wir motoren weiter.

Eine Stunde später ist schon mehr Wind da und wir setzen das Groß. Der Weg zwischen Faro und Ayamonte (Einfahrt Guadiana) ist gepflastert mit Fischfarmen, wo man natürlich nicht fahren darf. Wir halten uns eng wie möglich an den Tonnen, können aber trotzdem höchstens am wind fahren. Wir probieren die Genua aus, rollen sie aber gleich wieder weg. So müssten wir kreuzen, das dauert länger und wir wollen den höher werdenden Wellen und dem angekündigten Regen entgehen. Müde sind wir eh schon. Wir sind nichts mehr gewöhnt.

Sonnenaufgang, schöner wird das Wetter auf See heute nicht mehr

Der Wind passt nicht zum Wellenbild. Die sind sehr kabbelig, kommen von schier überall, während der Wind nur langsam stärker wird. Eine Stunde lang, kommt er richtig knackig, das wir sogar nur mit dem Groß Schräglage fahren. Die Wellen sind mit bis zu zwei Metern schon beeindruckend. Unsere Lady macht sich aber gut, verhält sich behäbig und gutmütig.

Hinter der letzten Fischfarm können wir endlich vom Wind abfallen und freuen uns, endlich die Genua raus zu ziehen. Kaum haben wir aber den Kurs gewechselt, ist der Wind wie abgeschnitten. Höchstens noch 5 Knoten. Die Wellen aber bleiben. Der Baum fängt an zu schlagen, das Segel macht sehr unschöne Geräusche ohne Winddruck. Wir werden von den Wellen hin und her geworfen. Spaß ist anders. Dazu sieht es aus, als ob gleich der Wolkenbruch des Jahres auf uns niedergehen wollte. Die Einfahrt zum Gudiana ist wie im letzten Jahr gespickt mit Fischerbojen. Wir gucken sehr aufmerksam raus und umfahren sie alle.

Dann schläft der Wind komplett ein und wir müssen das Groß weg nehmen, bevor wir das gute Stück kaputt machen durch die Schaukelei. Die Wellen sind etwas niedriger geworden. Die See sieht aus wie ein Kartoffelacker. Das Wellenbild ist unklar. Alle fünf Sekunden wirft uns eine Welle hin und wieder zurück. Unter scheppert es gewaltig, während Geschirr, Gläser, Flaschen und alles was nicht festgeschraubt ist, anfängt zu rutschen. Der zweite Kaffee am Morgen rächt sich, ich muss auf Klo. Auf dem kurzen Weg dahin fühle ich mich wie sich eine Flipperkugel fühlen muss. Willkürlich von A nach B geschossen. Während wir also weiter um die Bojen drum herum fahren, suchen wir den besten Weg in die Einfahrt und den besten Winkel zu den Wellen. Gelingt nicht immer. Eher kaum.

Aber desto näher wir der Einfahrt kommen, desto niedriger werden die Wellen. Danke. Denn die Einfahrt ist schmal, es gibt eine wandernde Sandbarre und wir sind wenig motiviert, dort aufzusitzen in einem Wellental.

Aber alles läuft ganz hervorragend. Kaum sind wir in der Einfahrt bricht die Sonne sich ihren Weg und wir pellen uns aus einigen Lagen Klamotten.

Noch schiebt uns die Strömung den Fluss hinauf. Mit flotten sieben Knoten rennen wir dem Ziel entgegen. Yay. Mal wieder bei Hochwasser unter der Brücke durch, ist jedes Mal aufregend. Aber auch das fluppt problemlos. Während ich die Fenster vom Salzwasser befreie, steht Alex mit der Fernbedienung und der Naviapp auf dem Telefon auf dem Achterdeck und steuert das Boot von dort aus. Sieht schon schwer sexy aus.

Alex steuert das Boot vom Achterdeck aus
Wir fahren unter der Brücke durch. Passt es mit der Masthöhe?

Zwei Stunden später sind wir kurz vor Alcoutim. Wir suchen uns einen schönen Ankerplatz. Das Wasser ist zwei Grad wärmer hier als in Portimao und wir gehen direkt baden. Knappe 20 Grad. Fast schon sommerliche Gefühle wallen da auf. Wir sind erschöpft, aber sehr zufrieden mit uns und der Welt. Die Maschine hat sich von ihrer besten Seite gezeigt, hat sich gut um uns gekümmert, so wie ich gebeten hatte. Danke.

Am Abend sehen wir, dass das Wasser unterm Kiel doch wenig wird. Zu wenig für unseren Geschmack. Kurz vor Sonnenuntergang also holen wir den Anker nochmal hoch und ankern ein paar Meter weiter am Fahrwasser, da ist es tiefer. Dieses Mal aber bei ablaufendem Wasser gegen Wind. Beim ersten Mal hält der Anker nicht. Beim zweiten Mal hält er, aber die Kette schubbert irgendwo über einen Stein. Das hört man im Schiff. Wir sind sehr müde und wollen schlafen, aber halten durch, bis die Tide wieder kippt und das Wasser wieder steigt.

Die Nacht schlafen wir wie die Steine. Am nächsten Morgen wollen wir das Dinghi klar machen und an Land. Es soll zwar winden, aber nicht so viel regnen, wie mal angekündigt war. Während wir also bei ordentlich Wind das Dinghi über die Reling schubsen (gar nicht so einfach), kentert die Tide wieder auf auflaufend Wasser.

Fünf Minuten später hört Alex unserem Ankeralarm hupen. Und ja, wir sind nicht mehr da, wo wir mal waren. Der Anker ist gerutscht. Das war es erstmal mit an Land gehen. Maschine an, Anker auf und neuen Platz suchen. Ich stehe immer vorne und bin für den Anker verantwortlich. Als ich ihn sehe, staune ich nicht schlecht. Die Ankerkette hat sich zwei Mal um den Anker gewickelt. So kann der ja auch nicht halten. Große Preisfrage ist nun, wie ich die Kette wieder vom Anker ab kriege, denn so kann ich ihn auch nicht wieder rein schmeißen. Ich sage Alex, er soll ein paar Kreise fahren, denn das kann dauern. Ich kriege zwar die mit verhedderte Tripleine aus dem ganzen Wust raus, aber die Kette will sich nicht vom Anker lösen. Nun muss Kraft daher.

Alex und ich tauschen Platz. Ich steuere und er hantiert vorn über die Reling gebeugt mit dem Anker. Hebt ihn an (heroisch, das mords schwere Teil) und wickelt die Kette von Hand ab. Als der Anker wieder frei ist, suchen wir einen guten Platz aus (dieses Mal bei Niedrigwasser) und lassen den Anker wieder fallen. Der hält. Aus Vorsicht allerdings beschließen wir, den Tag noch an Bord zu verbringen und darauf zu gucken, dass das Boot da bleibt wo es soll.

Müde aber motiviert auf See

Kategorien:Umbau

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