Was für ein Tag

Als wir am Freitag morgen den Kopf aus der Luke stecken: nix. Nichts als Nebel. Es ist gerade möglich, dass Boot direkt neben uns zu erkennen. Offenbar hat auch die Windrichtung sich geändert, denn die Geräusche kommen aus der falschen Richtung. So diskutieren wir während des Morgenkaffes darüber, wie man am sinnvollsten Land und Boot wiederfindet, sollte man in so einer Suppe einmal mit dem Dinghi fahren müssen.

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Nebel am Ankerplatz

Gegen Mittag klart es auf. Michael und sein Vater kommen zu uns an Bord wir genießen gemeinsam das Cascais Festival do Mar, wie immer mit Bühne, Live Musik und den Futterbuden.
Wir sitzen am Strand, trinken Mojito, hören live Musik und blicken aufs Wasser, wo hinter unserem Boot langsam der Mond aufgeht. Das Leben kann schon anstrengend sein… 🙂

Am Samstag stehen wir um acht auf. Wir gehen Anker auf und setzen Kurs Süd, Richtung Setubal. Der Wetterbericht hat Wind vorher gesagt und Wind ist auch da. Mal mehr, mal weniger, aber wir können direkt Segel setzen. Die Strecke ist nicht weit, so dümpeln wir zuerst mit 3 Knoten durchs Wasser. Lucio genießt es sichtlich an Bord, was uns wirklich freut. Er war ja noch nie auf einem Segelboot, da weiss man nie, ob es auch gefällt.
Als wir um kurz vor zwei am Cabo Espichel sind, frischt der Wind auf. Gut, denke ich mir. Etwas mehr Geschwindigkeit kann nicht schaden, sonst müssen wir motoren, um nicht im dunkeln anzukommen. Bald aber wird aus etwas mehr Wind sehr viel mehr Wind und noch ein bisschen mehr. Wo Wind ist, ist natürlich auch Welle. Die baut sich kurz vor dem Kap auch hübsch auf. Plötzlich wird das Steuern mehr Herausforderung. Wir pflügen trotz gereffter Segel mit über 7 Knoten durchs Wasser, während Faith die inzwischen 3 m Wellen hinuntersurft. Ich versuche, die Windstärke zu schätzen, sehe mir die Wellen an. Ich sehe viele weiße Schaumkronen und ab und zu bläst der Wind die Kronen über die Wellen. Ich gucke mir Michael und Lucio an. Beide bewundern das Wetter und die Natur. Als ein Tanker unweit am Horizont auftaucht, der immer wieder hinter den Wellenbergen verschwindet und wieder auftaucht, sind beide schwer beeindruckt.
Hinter dem Kap müssen wir den Kurs ändern, nun kommen Wind und Welle eher seitlich und nicht mehr von hinten. Das heisst, das Geschaukel nimmt zu und die Krängung des Schiffs auch. Alex und ich gucken uns an. Wir wissen, dass unser Boot und wir das schaffen können. Auch sind wir froh, uns bald hinter dem Kap verstecken zu können. Die Wellen werden kleiner, der Wind lässt etwas nach. Wir sausen im 2. Reff mit 6 Knoten durchs Wasser. Die Sonne scheint vom Himmel und alle sind schwer zufrieden.
Lucio hat in einem Tag segeln so ziemlich alle Möglichkeiten erlebt, von so gut wie kein Wind, keine Welle bishin zu 40 Knoten Wind und ziemlich beeindruckenden Wellen. Er ist restlos begeistert und sagt: „Michael, du musst nach Hause fliegen. Ich bleibe an deiner Stelle!“

Als wir endlich um 18 Uhr in Setubal ankommen, hält der Anker leider erst nach dem 5. Versuch. Wir sind alle erledigt. Lucio ist so lieb und kocht uns ein wunderbares Abendessen, dass schnell völlig aufgegessen ist. Danach können wir nur noch in die Koje fallen und schlafen.
Am Sonntag müssen wir die Einladung zu Lucios Verwandten nachholen und fahren mit dem Bus nach Seixal. Die Strecke, die mit dem Boot 8 Stunden gedauert hat, sind wir mit dem Bus in 45 min gefahren. Das Essen, dass uns aufgetischt wird, ist hervorragend. Noch bevor das Brot auf dem Tisch steht, werden 6 verschiedene Flaschen Wein geöffnet. Der Abend verläuft gemütlich mit manchen hoch hergehenden Diskussionen über Bildungssysteme in den USA und in Europa sowie der Nachbarschaft Portugals zu Spanien. Wir fühlen uns komplett in die Familie aufgenommen und es fällt uns schwer, wieder in den Zug zu steigen. Uns zu verabschieden. Michael sehen wir ja bald wieder, aber Lucio wohl eher nicht. Es war eine kurze aber tolle Zeit, die wir gemeinsam verbringen konnten und wir werden beide immer mit Freude daran denken.

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Kategorien:Portugal

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