Wer ist eigentlich Richie Campbell?

Als wir am Montag in Peniche ankommen, kriegen wir mit, dass am Wochenende DIE Feier des Jahres stattfindet. Ein Wochenende, andem die Fischer und alle die zur See fahren gesegnet werden. Mit Livemusik, Kirmes und riesen Brimborium.  Das des Fest des Jahres wollen wir uns nicht entgehen lassen, daher beschließen wir, hier zu bleiben. Die Ortschaft selbst ist zwar nicht übermäßig groß, aber sehr hübsch. Die Zeit bekommen wir problemlos rum. Pintail kommt am Mittwoch an und wir finden den letzten freien Platz am Steg für sie. Die Marina hat leider nur einen halben Steg frei für Gastlieger wie wir es sind. Die eigentlichen Plätze sind so klein, dass nur Motorboote hinein passen. Wir besuchen das Museum und den örtlichen LIDL. Die Briten sowie die die Portugiesen sind hellauf begeistert von Lidl. Wir nach wochenlanger Abstinenz von gescheitem Brot auch.

Da unser Motor seit einer Weile mal mehr mal weniger Öl hat und leider auch etwas unter Dieselinkontinenz leidet, sucht Alex das Leck und schickt uns dafür einkaufen. Als wir zurück kommen, ist seine Laune auf dem Nullpunkt. Das Leck hat er gefunden. Der Motor hat einen Riss im Block. Sehr nah an der Dieselpumpe. Daher vermischt sich Öl und Diesel. Das erklärt den schwankenden Ölstand, ist aber ziemlich kacke. Alex meditiert eine Weile über das Problem und versucht sich an einer Lösung. Wir drücken alle Daumen, dass es hält. Im schlimmsten Fall müssten wir wieder an Land und den Motor ersetzen. Aber da sind wir noch nicht.

Am Freitag steht eine wirklich große Bühne quasi vor unserer Tür. Alleine der Soundcheck bringt unser ganzes Boot zum brummen und beben. Am Abend gehen wir hinaus, um uns das Spektakel genauer anzusehen. Laut Plan sollen vier verschiedene Künstler auftreten. Anfangen soll der Spaß um 22.00 Uhr, der letzte Künstler ist für 1.30 Uhr eingeplant. Besonders hervorgehoben wird der Sänger Richie Cambpell. Wir sehen uns an und fragen uns: „Wer ist Richie Cambpell? “ Nun, wir werden es herausfinden. 
Die erste Band „Tres Hombres“ gefallen uns sehr. Nach einer knappen Stunde kommt dann Richie Campbell auf die Bühne. Uns sagt der Name gar nichts, aber der Platz ist auf einmal proppenvoll und die anwesenden Damen kriegen einen wilden Glanz in ihren Augen. Alle singen mit und sind hellauf begeistert. Die Stimmung ist hervorragend, auch wenn wir uns kaum bewegen können. Uns sagt weder der Name noch seine Musik etwas. Dem Tumult um den Sänger nach zu urteilen, ist er aber in Portugal eine große Nummer. Schlecht ist er jedenfalls nicht, auch wenn der Reggae-einschlag in der Musik nicht hundert prozentig unseren Geschmack trifft. Kaum ist Campbell von der Bühne, leert sich der Platz schlagartig. Ein DJ beginnt sein Werk. Seinen Künstlernamen erwähne ich nicht, denn er ist derartig mies, dass wir uns bald verabschieden und in die Koje fallen. Da die Musik aber lautstark über das Wasser schallt, hören wir die Musik genauso gut, wenn wir im Bett liegen als wenn wir draußen vor der Bühne stehen.

Am Samstag soll die ganze Fischerflotte gesegnet werden. Die Sonne scheint und wir haben glücklicherweise die besten Plätze. Die am Wasser. Die ganze Flotte ist geschmückt wie ein Weihnachtsbaum. Sie fahren aus, drehen um und kommen unter viel Gehupe und Getöse alle wieder in den Hafen. Nachdem alle die Ankunft der Fischer ausgiebig gefeiert haben, fängt das Unterhaltungprogramm an. Es gibt Zumba für alle die mitmachen wollen und Sardinen bis zum abwinken. Da wir morgen wieder ablegen wollen, haben wir noch einiges zu tun. Wir fangen an, das Boot aufzuräumen und die Route abzustecken. 
Irgendwer kriegt spitz, dass man 10 Sardinen für 2 Euro erstehen kann und bevor ich mich recht versehe, sitzen neun Leute bei uns im Cockpit, daneben stehen zwei Grills und von überall her kommen mehr Tüten mit Sardinen. Es wird ein wahres Festmahl. Dafür wird unser schönes Boot recht hecklastig. Mit ca. 600 kg mehr im Heck ging sie ganz schön in die Knie. Aber dafür konnte uns so gut wie keine Welle etwas anhaben 😉

Derweil füllt sich die Marina immer weiter. So ziemlich jedes Boot hat ein zweites an seiner Seite liegen. Da wir beschlossen haben, morgen weiter nach Cascais zu fahren, wechseln wir die Plätze mit einem ankommenden Boot. So liegen wir nun außen. Umso besser, denn so haben wir die beste Aussicht auf das Feuerwerk, das um Mitternacht starten soll. Abends im Dunkeln rückt die gesamte Fischerflotte nochmals aus. Diesmal beleuchtet wie ein Weihnachtsbaum. Es ist toll anzusehen. Die Marienstatue wird von Boot zu Boot gereicht und bald feierlich im Meer versenkt, als Opfergabe. Morgen soll es weiter gehen. Wir werden früh aufstehen und hoffen auf guten Wind, so dass wir den Motor nicht allzusehr bemühen müssen. Vielleicht hat die Segnung der Seefahrer ja auch auf uns abgefärbt und der Motor bleibt heile.

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Peniche Marina

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Konzert

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Geschmückte Fischerboote

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Sardinien Festmahl

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Bald stapeln wir die Leute im Cockpit

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Nächtlicher Schmuck an den Fischerbooten

Kategorien:Portugal

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