Wesel nach Arnheim – oder der Rhein ist vorbei

Gestern Morgen wollten wir eigentlich weiter fahren. Morgens gucken wir aus unserer Luke: Regen. Der Wasserstand fing auch gerade erst wieder an zu fallen. Die Strömung auf dem Rhein sah allerdings noch stärker aus, als schon die Tage zuvor. Ein Blick auf den Wetterbericht verriet uns, dass der nächste Tag ein sonniger schöner und vor allem warmer Tag werden soll. Daher beschlossen wir, noch einen Tag länger in der Marina in Wesel zu bleiben. Die Entscheidung war goldrichtig. Den ganzen Tag waren wir beide fertig mit der Welt, lagen im Bett, haben gelesen und nur ab und zu aus dem Fenster den grauen Nieselpiss draußen bewundert und uns gefreut, dass wir nicht nach draußen mussten.
Die vergangene Strecke am Niederrhein vorbei an Duisburg und etlichen Industrieanlagen war zugegeben weniger schön als die Strecke vor Koblenz. Anstelle von hübschen Burgen und idyllischen Schlössern traten nun endlose Häfen, Wasserkreuzungen und Industrie. Bayer, Ford und Co lassen grüßen.

Auf dem Rhein

Auf dem Rhein


Mehr oder weniger hübsche Industrieanlagen

Mehr oder weniger hübsche Industrieanlagen


SAM_0611-800x600
Faith in Wesel am Steg

Faith in Wesel am Steg


SAM_0619-600x800

Heute Morgen dann sind wir früh aufgestanden (halb sieben) und um kurz nach Acht traten wir unsere letzte Etappe auf dem Rhein an. Wir bildeten uns ein, dass morgens weniger Berufsschifffahrt unterwegs sei. Nun, wirklich bestätigen kann ich das nicht. Uns kamen, so wie die Tage zuvor Frachter um Frachter entgegen und gleichzeitig überholten uns die schnelleren Talfahrer. Die Strömung war dank des gefallenen Wasserpegels etwas geringer und so schob es uns „nur“ noch mit 7 bis 8 kn über Grund. Unsere Logge hat sich inzwischen leider wieder verabschiedet. Die Wunderheilung des Bingener Loch scheint nicht von dauerhafter Wirkung zu sein.
Die letzten vierzig Kilometer auf dem Rhein lagen vor uns. Wellen waren wie immer in verschiedener, unangenehmer Frequenz vorhanden. Als uns die Wasserschutzpolizei im Gleitflug überholte (normalerweise sind die Polizei, die Feuerwehr und das DLRG die nettesten und fahren langsam an uns vorbei), trafen uns die Heckwellen quer von hinten und wir schlingerten wild hin und her. Wir schlugen gefühlt fast quer. Unter Deck purzelte alles kreuz und quer durch die Gegend und am Steuer musste ich alle Gewalt aufbieten, damit unsere Faith noch dahin fuhr, wo ich sie haben wollte. Sicher kein Spaß!!

Hinter der holländischen Grenze teilt sich der Rhein dann in die Waal und den Pannerdens Kanaal, der bald zum Neder Rijn wird. Wir nahmen die Abzweigung zum weniger befahrenen Kanaal und fuhren weiter in den Neder Rijn. Dieser war etwas weniger breit, schob uns aber trotzdem noch mit guten 7 Knoten Fahrt über den Grund. Auch hier gibt es Wellen, aber die haben für uns eine wesentlich angenehmere Frequenz und Höhe. Auch hier fahren Berufsschiffe, aber wesentlich kleinere und sie produzieren nicht so unerträgliche Wellen, wie auf dem Rhein.
Wir waren schon um 14 Uhr in Arnheim. Unser Ziel für heute. Nach einer kurzen Überlegung, ob wir nicht doch den halbwegs schönen Tag nutzen sollen, um weiter zu fahren, haben wir uns aber doch entschieden, hier zu bleiben. Das Restaurant Valkenburg, welches zur Marina gehört, ist klein, aber richtig toll eingerichtet. Dort werden wir nachher mit einem Bier darauf anstoßen, dass wir den Rhein hinter uns haben. Unser Stegnachbar hört seit zwei Stunden Party-Popmusik und alle anderen hören mit. Uns stört es nicht. Wir sind glücklich und dankbar für einen schönen Tag ohne Regen und noch glücklicher und dankbarer, dass wir vom Rhein runter sind. Wir haben sicher mit viel gerechnet, aber wir müssen zugeben, so haben wir uns die Fahrt über den Rhein nicht vorgestellt. Morgen soll es weiter gehen bis kurz vor Dordrecht und übermorgen können wir schon in Stijnsaas sein. Dazwischen liegen noch drei Schleusen. Wir hoffen, dass der Wettergott gnädig mit uns sein wird, so dass wir auch heile in Stijnsaas ankommen werden.

Hier noch unseren höchst subjektiven Rat, für alle, die sich eventuell überlegen, auch einmal auf dem Rhein die Strecke zu fahren.
– Merke: Es gibt Wellen! Und die nicht zu knapp. Auch ohne Gewitter können die Wellen problemlos eine Höhe von 1,5 m erreichen dazu sind sie steil und ätzend.
– Falls ein Mast mitgenommen werden soll: Betoniert ihn auf eurem Boot so fest, wie nur irgend möglich. Wir haben nun am Bug, am Heck und mittschiffs den Mast runtergebändselt sowie jeweils zwei Springs vorne und achtern. Das hat geholfen. Trotzdem achte ich zumindest immer mit einem Auge auf den Mast und die Halterung, ob auch wirklich alles noch da ist, wo es soll.
– Achtet auf das Wetter. Bei Gewitter ist der Rhein kein Kindergarten, sondern eher wir eine offene See zu betrachten.
– Es windet. Immer.
– Sucht Euch die Marinas vorher aus, zu denen ihr wollt. Legt dabei auch immer eine möglichst nahe gelegene Ersatzmarina fest, falls es nicht möglich ist, die gewünschte Marina anzulaufen.
– Die Elwis App. Zeigt aktuelle Wasserstände sowie die Trends, ob das Wasser fällt oder steigt.
– Schafft Euch gutes Wetterzeug an und legt es bereit. Solltet Ihr nicht gerade im Hochsommer fahren, wird es sicher auch mal kalt.

Kategorien:Deutschland, Niederlande

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.