wieder zurück

Nach 4 Tagen Deutschland in denen wir Mamas 70sten gefeiert, Freunde besucht und etwas Verwaltungsarbeit geleistet haben, geht es am Sonntag früh, sehr früh zurück.
Ich stehe um 3h auf da ich um 3.58h die S-Bahn zum Flughafen erwischen muss. Gesagt getan und gegen 3.50h stehe ich, etwas missgelaunt ob der Uhrzeit, am Gleis 2. Zufälligerweise sehe ich auf der Anzeigetafel den Hinweis dass Züge mit Richtung Flughafen an diesem Tag ausserplanmäßig von Gleis 1 fahren. Gut, denke ich bei mir, das wird wohl mit der Landesgartenschau zu tun haben, deswegen wurde ohnehin in jeder Ortschaft kräftig gewerkelt. Kurzum ab durch den Tunnel zu Gleis 1, dennoch kommt es mir irgendwie komisch vor und ich halte mich etwas weiter hinten auf dem Bahnsteig, nur um gewappnet zu sein. Natürlich kommt es wie es kommen muss. Der Zug fährt wie den Rest vom Jahr auch auf Gleis 2 ein. Alles kein Problem, auf die Gleise, kurz rüber auf den anderen Bahnsteig und dort einsteigen. Zeitlich kein Problem – wäre da nicht der hessische Schaffner (nichts gegen Hessen aber der Dialekt war klar erkennbar). Als ich versuche in den hintersten Wagen einzusteigen sehe ich das die Knöpfe zum öffnen nicht beleuchtet sind. Während ich hektisch eine Tür nach der anderen schaffe ertönt über den kompletten Bahnhof die wortgetreue Durchsage „Du glaubst wohl Du kannst mich verarschen, Du kannst jetzt mal schön warten“ – sprachs und fuhr von Dannen.
Meine ohnehin schon unharmonische Laune steigt an zu einem ausgewachsenen Hass auf den kompletten Stuttgarter Nahverkehr.
Da alles nichts bringt muss ich zurücklaufen in der Hoffnung Ursula wecken und motovieren zu können mich, mit Mamas Auto, zum Flughafen zu fahren. Also laufe ich los – natürlich im Regen.
Ursula erbarmt sich auch umgehend und fährt mich. Glücklicherweise klappt das alles auch zeitlich noch da sie um 7h einen Zug gen Norden nehmen muss. Da es Sonntag ist benötigen wir zum Flughafen aber keine 40min. Wir verabschieden uns und schon bin ich bei der Sicherheitskontrolle.
Eine kleine Diskussion mit den Sicherheitsbeamten später ob mein ca. 5cm langer Primus Feuerstein eine Waffe ist oder nicht stehe ich am Gate.
(Kleine Nebeninfo, dieser Feuerstein hat mich auf gut 20 Flügen in diverse Länder stets begleitet. War nie ein Problem).
Irgendwann sitze ich endlich im Flieger nachdem ich festgestellt habe dass mein Flug anstatt mit TUIfly, wie gebucht, an eine Tschechische Fluglinie namens JustUs Air outgesourct wurde. Warum auch nicht, die Sitze sind noch ein wenig enger beieinander , Kamasutra lässt grüßen aber ich bekomme micht irgendwie rein gefaltet dank eines Gangplatzes.
Während den üblichen Ansagen werden die Treppen entfernt, die Türen geschlossen und wir beginnen rückwarts zu rollen – ca. 50m – dann stoppen wir – und rollen wieder vorwärts. Eine Treppe wird wieder ran gefahren, ein Trupp Mechaniker steigt ein und diskutiert, wild gestikulierend mit dem Piloten. Das schafft doch Vertrauen!
Was immer das Problem war es schein nicht wichtig zu sein oder ignoriert werden zu können. 15min später geht es wieder rückwärts und wir fliegen nach Faro, Problemlos im Übrigen. Abgesehen von einer sehr harten Landung. Mir drängte sich sehr stark das Gefühl auf dass der anschließende Applaus diesmal keine Dankbarkeit dem Piloten gegenüber ausdrücken sollte sondern schiere und vollständige Erleichterung.
Einen kurzen Shuttlebusride später bin ich auch schon am Faro Terminal und muss noch 1h auf meinen Bus warten. Dieser kommt pünktlich und schnell sind wir unterwegs. Was ich allerdings nicht wusste ist das der Distrikt Faro eine neue Buslinie nach Portimao eingeführt hat. Den Bus den wir sonst immer genutzt haben brauchte eine gute Stunde und hat exakt 5x gehalten. Die neue Linie, natürlich die in der ich saß, ist ein Tingelbus der ca. 50x gehalten hat und wirklich jeden Ort auf der Strecke angelaufen ist.
Ich hab es gegoogelt – Fahrzeit neue Buslinie 3h – wenn alles funktioniert.
Der eine oder andere mag es sich denken, es hat nicht alles funktioniert.
Da der kleine Zwischenfall mit dem Flieger und die Erkenntnis im einem Schneckenbus zu sitzen nun nicht so wirklich dazu beigetragen haben meine angeschlagene Laune zu bessern dachte ich bei mir ‚Komm, reg dich nicht auf. Der Buss fährt wenigstens nach Portimao und irgendwann kommt auch der an‘ – Haha – weit gefehlt.
Vor Alufeira höre ich bereits befremdliche Geräusche seitens der Hinterachse. Glücklicherweise verstehe ich nichts von Kraftfahrzeugen und versuche es zu ignorieren. Aus rein Überlebenstechnischen Gründen setzte ich mich dennoch ein wenig weiter nach vorne – dann seh ich wenigstens was auf uns zukommt wenn wir die Hinterachse verlieren.
Kurz hinter Albufeira auf Höhe von Zoomarine fährt der Busfahrer rechts ran mit dem Kommentar „We have to change the bus, this one is broken“, frei übersetzt ‚Wir müssen den Bus wechseln, der hier ist kaputt‘.
Man möge mir den Kommenar ‚war ja klar‘ bitte nachsehen.
Kurzum, wir mussten am Straßenrand warten bis ein gutgelaunter Ersatzfahrer inkl. Ersatzbus eintraf um uns weiter zu chauffieren.
Ich sah noch wie unser Busfahrer seinen defekten Bus abschloss und schnurstracks in Richtung Kneipe gegenüber loslief – ein Schelm wer böses denkt – oder – Welcome to Portugal!
Wider Erwarten schaffte ich es dann dennoch ohne weitere Zwischenfälle zurück zu Assai. Da der Tag lang und anstrengend war bin ich auch ziemlich zügig und ziemlich müde in die Koje gefallen. Nach stolzen 20min Schlaf werde ich von komischen Geräuschen wach und krabble an Deck.
Ich wusste bereits das vom 17-20.05 hier das F1 H2O Rennen stattfindet, was ich nicht wusste ist dass das Wochendende davor ein Rennen für zu Tode getunte Jetskies stattfindet.
Nun muss man wissen das wir einen sehr schönen Platz auf der Boatyard haben, ganz hinten im Eck mit perfektem Blick auf den Rio Arade. Eben diesen Rio Arade wo genau zu diesem Zeitpunkt diese Vollhonks mit ihren aufgemotzten Wasserfräsen entlang fliegen. An Schlaf ist nicht zu denken und ich beschließe es auszusitzen.
Glücklicherweise ist es 2h später auch schon wieder vorbei und die Jungs packen ihre Aquaplaninghobel wieder ein. Die Ruhe ist eine Wohltat – für ca. 30min – dann startet das Afterraceprogramm. Laute Musik undefinierbarer Genrerichtung.
Nachdem ich den kurzfristig gefassten Plan ‚den DJ an einen der Jetskies zu hängen und mit 80 Sachen über den Sandstrand zu schleifen um anschliessend seine Überreste an ein Warzenschwein zu verfüttern‘ habe fallen lassen, schließe ich alle Luken und versuche dennoch zu schlafen.

Die kommenden 3 Tage verlaufen nach dem altbekannten Schema. Ich fange an am Boot zu arbeiten bis mich dankbarerweise jemand unterbricht mit der Spitzenidee „Kaffee bei Claudio“, ich gehe einkaufen und spiele ein wenig Taxi, wir klopfen ein wenig auf Muffets alten Kielen rum um das Blei zu befreien (endlich mal etwas destruktive Arbeit bei der man sich abreagieren kann) bzw. beginnen Blei in den neuen Kiel zu gießen und ich helfe einem alten Freund aus Kanada sein Boot einzukranen und in die Marina zu verlegen.

Die kommenden Tage steht wieder ein wenig Orgakram an sowie, wie sollte es anders sein – weiter schleifen und basteln.
Oh, wie hab ich es vermisst!

Kategorien:Umbau

  1. Unsere Tränen sind Angesichts Deiner misslichen Situationen hoffentlich verzeihbar Alex, aber der Artikel war schlicht zum blöken und brüllen😂

  2. Das war bestimmt nicht lustig –
    aber ich musste trotzdem lachen.

  3. Jup, schließe mich an, war wirklich sehr kurzweilig zu lesen. Warzenschwein und Überreste ganz besonders 🙂

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.