Wir gehen segeln – oder so ähnlich

Ja, richtig gelesen. Wir sind endlich mal wieder auf dem Wasser mit einem Segelboot. Leider nicht unserem. Philippe, der Franzose den wir inzwischen gut kennen gelernt haben, hat eine Jachtüberführung auf getan und wir helfen ihm gerne dabei.

Von Portimao soll es nach La Linea gehen. Das liegt in Spanien, direkt an der Grenze zu Gibraltar. Philippe’s Freundin Sue kommt auch mit. Wir waren schon einmal in La Linea, wer will kann das in dem Artikel Gibraltar bei Nacht und Nebel noch einmal nachlesen.

Am Montag gucken wir uns zu viert das Boot einmal an. Es ist eine 54 Fuß Gib Sea, die auf den ersten Blick nicht sehr geliebt aussieht. Der zweite Blick bestätigt das nur. Das Teak Deck braucht dringend Aufmerksamkeit, zwei von drei Toiletten an Bord funktionieren nicht und noch so ein paar Kleinigkeiten. Aber die Maschine funktioniert, Wasser und Diesel sind da, sowie die nötigsten Dinge an Bord. Wir beschließen nach eingehender Untersuchung des Bootes, am Dienstag Abend aufzubrechen. Der Wetterbericht sagt guten Wind von achtern oder mittschiffs voraus und wir freuen uns, einmal dem Landleben zu entkommen.

Der Dienstag selbst ist noch recht voll gepackt. Einkaufen, etwas vorkochen, packen und bei uns noch aufräumen. Gegen fünf holt uns Phlippe vom Trockendock ab und wir ziehen auf die Caramalk um. Nachdem wir unsere Sachen und das Essen verstaut haben, soll es auch losgehen. Nur noch schnell den Anker hochziehen und ab die Post. So der Plan. Der geübte Leser weiß nun, das wird nichts. So war es auch. Die Ankerwinsch dreht zwar fröhlich, aber eben durch und die Kette bewegt sich keinen Millimeter nach oben. Es bläst am Ankerplatz ziemlich, so dass die Kette mit Motorschub entlastet werden muss. Alex steht am Steuer, sieht und hört nur wenig, da das Boot so groß ist.

Phlippe stellt sich in den Ankerkasten und unterstützt die Ankerwinsch, in dem an der Kette zieht. Sue hält den Ankerkettenkasten offen, denn der Deckell hat scharfe Kanten und fällt gerne in Philippe’s Rücken. Ich ordne die Leinen und gebe Alex per Handzeichen Rückmeldung. Gib Gas, steuer hier oder dort hin, warte kurz. Es ist mühselig, um es kurz zu machen. Immer wieder rauscht etwas Kette wieder raus und die Bootsnachbarn werden schon nervös. Manche sind schlau und bringen Fender aus. Das mache ich gleich mal nach, denn wir kommen bei der Aktion unseren Nachbarliegern recht nahe.

Alex hat da keine leichte Aufgabe, ein Boot zu steuern, das er noch gar nicht kennt, nicht weiß, wie es auf dieses oder jenes reagiert und das noch mit dem Anker am Grund festhängt. Er meistert dieses „Mienenfeld“ aber super. Irgendwann ist die Kette dann soweit oben, dass nun der 50 kg Anker kommt. Da geht nun nichts mehr. Ich löse Alex am Steuer ab und die beiden Jungs ziehen den Anker von Hand nach oben. Als der endlich soweit frei ist, fahre ich uns aus dem Ankerfeld heraus. Mindestens sechs andere Boote stehen an Deck und gucken skeptisch. Kann ich ihnen nicht verdenken.

Es dauert noch etwas, bis der Anker ordentlich verstaut ist und dann geht es mit dem Sonnenuntergang raus dem Hafen. Wir wollen Segel setzen, aber hier geht es gleich weiter mit dem Chaos. Sieben Winschen allein im Cockpit, sechs weitere um den Mast und nur wenig Ahnung, welche Leine zu was gehört. Da es aufgrund der Ankerprobleme schon dunkel war, haben wir beschlossen, erst wieder bei Tageslicht mit den Segeln zu hantieren. Was auch kein Problem war, denn der Wind schlief erstaunlich schnell ein.

Sue und ich haben gemeinsam eine Wache gehabt und die Herren jeweils alleine. Der Wetterbericht war mal wieder für die Katz. Die ganze Fahrt über hatten wir keinen nennenswerten Wind. Also sind wir bis Gibraltar motort. Nicht so, wie wir uns das gedacht und gewünscht hatten, aber so ist es eben. Die Zeit verläuft ohne wirkliche Ereignisse. Wir haben Glück als wir in die Straße von Gibraltar einlaufen, ist es 10 Uhr abends und die Tide schiebt uns mit fast 10 Knoten durch. Auch hier ist es absolut windstill. Sue guckt groß, da wir alle ihr lange und breit erzählt haben, dass es in der Straße immer windet. Tanker sind auch nur wenige da und so ist es eine schwer entspannte Fahrt durch die ach so berüchtigte Straße von Gibraltar.

Erst als wir in die Bucht von Gibraltar einbiegen kommt guter Wind auf. Aber da haben wir dann auch keine Lust mehr, für eine Stunde bis zur Marina in La Linea die Segel auszutesten. Das Anlegemanöver klappt ganz gut und als wir endlich ins Bett fallen ist es schon drei Uhr nachts. Morgens um fünf klingelt unser Wecker leider schon wieder, denn wir wollen den frühen Bus zurück nach Portimao nehmen. Mit ein paar Stunden Aufenthalt in Sevilla, wo es so richtig brütend heiß ist. Mittags um zwölf zeigt ein Außenthermometer, dass in der Sonne hängt 44°C an. So verkrümeln wir uns in die Klimagekühlte Halle der Autobús Station.

Kurz nach der portugiesischen Grenze macht der gute Bus mucken und wir müssen an einem Parkplatz anhalten. Dort verkündet der Busfahrer, dass der Bus hinüber ist, aber in 15 Minuten zwei andere kämen, die einmal nach Faro Flughafen die Gäste mitnehmen und der Rest mit ihm weiter fahren würde. Aha. Wir ahnen schon, dass es eher 15 portugiesische Minuten sind. Aber entgegen unserer Erwartungen kommt nach 20 Minuten der erste Bus, der die Gäste Richtung Faro einsammelt und nur ein paar Minuten später der Bus, der weiter bringt. Sowie ein Sprinter mit zwei Mechanikern, die sofort anfangen, an dem kaputten Bus zu schrauben und zu hantieren. Zwei Minuten zu spät als die geplante Ankunftszeit kommen wir dann auch tatsächlich in Portimao an, was durchaus auch dem zackigen Fahrstil des Busfahrers zu verdanken ist, der wohl noch Termine hatte.

Müde, verschwitzt und kaputt wie wir sind, packen wir nur kurz unser Zeug ins Boot, ziehen uns um und gehen noch Sushi essen. Unser sechster Hochzeitstag muss noch etwas goldiger zelebriert werden, als ihn müde im Bus zu verbringen. Das Essen ist klasse, auch wenn wir uns hauptsächlich an Wasser festhalten und der Abend nicht lange dauert. Zwei Nächte so gut wie nicht schlafen und eine lange Busfahrt fordern dann doch ihren Tribut.

Im Cockpit zusammen sitzen
Sonnenuntergang auf See

Kategorien:Umbau

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