Zen und Starkwind

Als ich am Mittwoch morgen zur Dusche laufe, fährt gerade ein großes Boot in die Marina ein. Es ist so groß, dass zwei Dinghis der Marina helfen, es an den VIP Steg zu bugsieren. Ich bleibe stehen und bestaune das Anlegemanöver. Das Boot heißt Elida und am Heck steht in weithin lesbaren Buchstaben: „Sailing for Jesus“ (Segeln für Jesus). Aha, mal wieder was neues. Als ich vom duschen in der Rezeption nach Post frage, steht der Kapitän der Elida auch da und wir kommen ins Gespräch. Er lädt uns beide ein, sein 40 Meter langes Boot zu besuchen. Der Einladung kommen wir am Abend auch nach. Das Boot ist beeindruckend riesig, alles wird von Hand betätigt. Keine elektrischen Winschen oder sonstiger Schnick Schnack. Wir werden mit frischen Bananen aus Mallorca versorgt und nach knapp zwei Stunden gehen wir wieder zurück auf unser Boot, das neben dem Riesen winzig wirkt.

Das Wetter hat diese Woche auf April umgestellt. Es ist kalt, mal schauert es aus dem Nichts heraus, es windet und ab und zu scheint die Sonne. Für Sonntag sagt der Wetterbericht auch nichts übermäßig Tolles voraus. Sieben Windstärken aus Süd. Gut, das wir da noch in der sicheren Marina liegen. Am Montag, unserem Krantermin, sieht die Vorhersage allerdings ganz gut aus. Wenig Wind und eventuell mal ein Schauer. Damit können wir leben. Sollte es zu windig sein, kann der Kran uns nicht sicher aufs Trockene stellen. Da unsere Faith mit ihrem Langkiel sich als großes Segel bewegen würde.

Wir bereiten fleißig vor, räumen auf und natürlich wieder um, verstauen Dinge und bauen das Boot wieder auf Seefest um. Einkaufen gehen wir auch noch, um die Vorräte aufzustocken. Auf dem Weg zum Supermarkt kriege ich einen Anruf. Dave vom Trockendock teilt mir mit, dass er den Termin am Montag leider absagen muss, da keine Poller für uns zur Verfügung stehen. Die Boote, die in der vergangenen Woche hätten ins Wasser gehen sollen, wollten nicht, da das Wetter den Besitzern zu schlecht war, bzw. ist. Wie lange sich unser Termin verschiebt, kann er nicht genau sagen. Vermutlich nicht länger als eine Woche. AAARGH. Das schmeißt unsere Planung natürlich völlig über den Haufen. Portugiesische Einstellung gegenüber Terminen scheint doch anders, als die deutsche. Es ist mir nicht einmal in den Sinn gekommen, dass an dem ausgemachten Termin etwas wackeln könnte, sollte es nicht das Wetter (Wind) sein. Es zwar wirklich nicht so, als ob wir dringende Termine hätten die wir einhalten müssten, aber es ärgert mich und Alex doch gewaltig. Der Ärger hält aber nur kurz an. Irgendeinen Grund wird es schon haben und so dringend ist es für unsere Faith auch wieder nicht, aus dem Wasser zu kommen. Außerdem bringt es eh nichts, sich zu ärgern. Davon kriegen wir auch keinen Poller. Arbeit am inneren Zen also. So werden wir die nächsten Tage wohl eher nicht aus dem Wasser kommen. Dafür aber unser Freund von der Whippersnapper, der am Montag herfliegen wird. Wir freuen uns, ihn bald wieder zu sehen und so können wir beim Kranen einmal dabei sein und ihm helfen. Langweilig wird es uns ja doch nie.

Elida legt an

Da kommt was auf uns zu

Kategorien:Portugal

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